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Chronik der Entenbrüder

Zehn Enten, eine Rheinmühle, das Skatspielen, die Insel Kisselwörth und ein heftiges Gewitter, alle diese Begriffe hatten eine wichtige Bedeutung bei der Gründung des Carneval-Verein Entenbrüder Nackenheim. Das Wieso und das Warum soll die Chronik des traditionsreichen Vereines darstellen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit will ich versuchen wichtige Stationen des Geburtstagskindes aufzuzeichnen.



Drei junge, lustige Freunde, die Herren Johann Recht, Philipp Zahn und Mathias Bender, ruderten an einem Samstag des Jahres 1899 zum Skatspielen zur Rheinmühle des Herren Konrad Recht. Nach dem Spielen sang man zu den Klängen eines Schifferklaviers lustige Weinlieder und trank einen guten Tropfen Nackenheimer Wein. In dieser feuchtfröhlichen Stimmung bemerkte man das Herannahen eines schweren Unwetters nicht. Das heftige Gewitter machte eine Kahnfahrt zurück zum linken Rheinufer unmöglich. Es gab nur eines, in guter Weinlaune bis zum frühen Sonntagmorgen weiterzumachen.



Das Hochwasser, eine Folge des schrecklichen Unwetters, trieb unterdessen zehn (leider nicht elf) Enten von der Insel Kisselwörth orientierungslos stromabwärts bis nach Rüdesheim. Für den Inselbewohner war klar, die Enten wurden entwendet und als Diebe kamen nur die drei nächtlichen Zecher der Rheinmühle in Frage. Nach Anzeige erfolgte bei den drei Freunden eine Hausdurchsuchung, die jedoch nichts einbrachte. Um ihre Unschuld zu beweisen, ließen diese in der Presse eine Anzeige erscheinen. Bereits am nächsten Tage ging ein Telegramm mit folgendem Text ein: „Enten soeben eingefangen, morgen schick‘ ich sie retour.“ Aus Freude über den Beweis der Schuldlosigkeit ging man in das Gasthaus Zum Rheinfels und gründete den Stammtisch der Entenkleptomanisten mit dem Ziel für die Fassnachtszeit zu sparen. Im Jahr darauf, zum Kampagnenbeginn 1900 hob man dann den Verein Entenbrüder Nackenheim als Carneval- und Sparverein aus der Taufe. 



Den drei Skatfreunden schlossen sich spontan die Herren Franz Bernard II., Johann Pauly, Heinrich Sans II., Simon Stauder, Karl Specht und Josef Zimmermann an. In den ersten Vorstand wurden Philipp Zahn als 1. Vorsitzender, Josef Recht als Kassierer und Johann Pauly als Schriftführer gewählt. Im Gasthaus Zum Rheinfels fand dann der erste öffentliche karnevalistische Abend statt.



Wie beliebt und erfolgreich der Verein Entenbrüder war, beweisen die monatlichen Mitgliederzusammenkünfte im Gründungslokal. Auch von den Nackenheimer Bewohnern wurde der Verein begeistert aufgenommen. So konnten bereits von 1901 bis 1911 eine große Zahl Sitzungen, Maskenbälle und Umzüge durchgeführt werden. 



Das 11-jährige Bestehen wurde unter der Mitwirkung vieler Brudervereine im Gasthaus Zur Krone gefeiert. 



An Fassnacht 1914 fand die vorerst letzte Saalfassnacht statt. Allerdings veranstaltete man am Weihnachtsfeiertag 1914 im Saalbau Zum Schiff ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Nackenheimer Kriegsteilnehmer. Der Erlös reichte um im Januar 1915 einhundert Päckchen mit Liebes- und Erinnerungsgaben zu packen und an alle Soldaten und Kriegsgefangenen aus Nackenheim zu senden. Trotz des Weltkrieges von 1914 bis 1918 schrieben die Entenbrüder das Wort Einigkeit auf ihr Banner, denn alle Mitglieder die nur irgendwie konnten, kamen zu den Monatstreffen in die Gaststätte Zum Rheinfels.



Erst 1922 konnte und durfte der Verein wieder in die Öffentlichkeit treten. Einhundertdreißig Mitglieder stark feierte man, unter Beteiligung aller Nackenheimer Ortsvereine und vieler Brudervereine, an Pfingsten 1925 den Fünfundzwanzig Jahre Alten Verein Entenbrüder, verbunden mit der Weihe der ersten Vereinsfahne. Das Fest wurde begeistert aufgenommen, und der Name Entenbrüder wurde über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.



Doch die Bäume sollten nicht in den Himmel wachsen, denn das karnevalistische Leben erhielt erneut einen Dämpfer. Der Krieg 1939/45 zwang die Entenbrüder wiederum das Vereinsleben einzustellen. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten setzte sich die närrische Tradition, gepaart mit Nackenheimer Fröhlichkeit und rheinhessischem Humor durch und am 26. Juli 1947 fand im Vereinslokal die Wiedergründungsversammlung statt.



Von nun an ging es stets bergauf. Viele Bürger, die der Krieg nach Nackenheim verschlagen hatte, schlossen sich dem CVE an und gaben ihm einen kraftvollen Auftrieb. So konnten 1948 bereits eine Sitzung, drei Maskenbälle und ein Umzug durchgeführt werden. 1949 waren es schon 2 Sitzungen, vier Maskenbälle und erstmals ein Kinderfest mit dem Kinderprinzenpaar Hella Zimmermann und Bernd Sans. 



Das goldene Jubiläum 1950 war ein Volltreffer. Abordnungen fast aller närrischen Vereine aus Mainz und Umgebung kamen zu der großen Geburtstagsveranstaltung und bewiesen, dass die Entenbrüder auch über die Ortsgrenzen hinaus viele Freunde und Anhänger hatten. Erfreulich war auch, dass die beiden Jubiläumsprunksitzungen fast ausschließlich mit eigenen Kräften gestaltet werden konnten. Noch im Jubiläumsjahr beschloss der CVE die Gleichberechtigung voranzubringen und plante für das Jahr 1951 ein Damenkomitee. Somit hatten die Entenbrüder als einer der ersten Vereine die Frauen für den Elferrat entdeckt. Wenn sich auch das Damenkomitee nicht auf Dauer halten konnte, und sich erst 1988 wieder etablierte, haben dennoch die Frauen des Vereines in verschiedenen Gruppierungen den CVE stets unterstützt.



Die erfolgreiche Kampagne 1950 bildete zugleich den Auftakt für die kommenden Jahre. Stetiger Aufwärtstrend der Nackenheimer Saalfassnacht führte den CVE mit an die Spitze der rheinhessischen Karnevalvereine. Auch die Ortspolitiker erkannten, Nackenheim hatte einen Teil seines Bekanntheitsgrades dem guten Ruf der Entenbrüder zu verdanken. In diesem Bewusstsein entschloss sich 1954 der Ortsbürgermeister, Herr Richard Bauer, dem närrischen Elferrat symbolisch über die tollen Tage die Regierungsgewalt über die fünfte Jahreszeit zu übergeben. Mit Blasmusik zog man am Fassnachtssamstag zur Schlüsselübergabe in das Rathaus. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten, wenn auch in leicht abgewandelter Form. 



Das Jahr 1972, in dem der Ort Nackenheim die 1200-jährige Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung feierte, nahm der CVE zum Anlass die erste Ordensmatinee, verbunden mit einer festlichen Weinprobe, zu veranstalten. Prominente Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft verhalfen dem CVE von nun an zu glanzvollen Auftakten in die närrische Saison. Hervorzuheben ist die Matinee 1987 bei der das Lied „Wir sind die Entenbrüder“ (Musik Dr. Hanns F. Marker, Text D.W. Grossmann, Gesang Hans Schneider) aus der Taufe gehoben wurde.



Das Bestreben der Entenbrüder, das hohe Niveau der Nackenheimer Fassnacht zu halten, ja sogar noch zu steigern, ging mit erhöhten Belastungen für Saalausstattung, Musik, etc. einher. Dies führte zu dem Vorstandsbeschluss, ab dem Jahre 1979, am Weinfest Im fröhlichen Weinberg mit einem Weinstand teilzunehmen. Der Verein rief und alle angesprochenen Mitglieder kamen um sich ehrenamtlich, auch außerhalb der Fassnachtszeit, ihrem CVE zur Verfügung zu stellen. Seither ist das Weinfest ein fester Bestandteil im Terminkalender und zugleich eine Säule zur Finanzierung des Vereines. 

In all den Jahren, seit ihrer Gründung, sind die Entenbrüder an den närrischen Tagen mit Musik durch die Ortsstraßen gezogen, u.a. mit dem Kinderprinzenpaar und zur Schlüsselübergabe.

Ab dem Jahre 1980 gestaltete man die Fassnachtdienstag-Umzüge etwas größer, bis dann 1983 der Verein die Umzüge richtig organisierte und einen Zugmarschall berief. Viele Ortsvereine, Privatgruppen, Kindergärten sowie Wagen und Gruppen aus den Nachbardörfern zogen fortan als Lindwurm durch die Ortsstraßen. 

Als Pilotprojekt fand auf Anregung des Verbandsbürgermeisters, Herrn Gerhard Krämer, am 20. Februar 1981 die erste Gemeinschaftssitzung der fünf karnevaltreibenden Vereine der Verbandsgemeinde Bodenheim statt. Ausrichter waren die Entenbrüder, dann folgten im Wechsel die anderen Orte. Trotz guten Zuspruches wurde diese Tradition 1997 aufgegeben.



Immer größere gesetzliche Vorschriften, Verordnungen, Steuerpflicht und sonstige Schwierigkeiten kamen mit der Zeit auf den Verein zu. So war es zwingend erforderlich das Vereinsleben neu zu ordnen. Am 14. November 1981 gab sich der CVE deshalb eine neue Satzung. Am 12. Mai 1982 wurde der Antrag zur Eintragung in das Vereinsregister gestellt und am 06. August 1982 erfolgte die amtliche Bestätigung des Amtsgerichtes Mainz über die Registrierung. Eine kleine Erleichterung gab es, denn auf Antrag wurde dem Verein 1994 die Gemeinnützigkeit zuerkannt.



1991! Was soll man dazu schreiben? Voreiligkeit, Schicksal, Hysterie, Übertreibung oder Phänomen? Was war geschehen? Die Entenbrüder begannen mit einer hervorragenden Ordensmatinee. Doch dann mussten alle Veranstaltungen wegen der Nahostkrise (Irakkrieg) abgesagt werden. Alle Vorbereitungen und Mühe waren umsonst. Nur die Jahresorden waren vielleicht doch ein Phänomen, denn der Lieferant hatte vergessen die Jahreszahl 1991 anzubringen. So konnten den Aktiven 1992 diese neutralen Orden überreicht werden. Für die Gäste der Matinee 1992 wurden 111 limitierte Nachbildungen des Nackenheimer Buttenmännchens gefertigt.



Im Jahre 1993 machte sich der Carneval-Verein Entenbrüder 1900 e.V., Nackenheim, das wohl größte Geschenk seiner langen Geschichte. Nach knapp zweieinhalbjähriger Bauzeit konnte am 13. Juni 1993 eine vereinseigene Unterstellhalle mit Büro eingeweiht werden. Die Halle wurde auf einem Grundstück, das die Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte, in Eigenhilfe der Mitglieder erbaut. Eine starke Leistung!



Einen weitern Glanzpunkt der Vereinsgeschichte setzte das Jahr 2000. Unter dem Jahresmotto "Entenbrüder Fassenacht, seit 100 Jahr mit Herz gemacht" feierte man das Jubiläum Hundert Jahre Entenbrüder. Die Jubiläumsveranstaltungen begannen bereits am 12. November 1999 mit einem großen Festkonzert der Mainzer Hofsänger. Es folgten im Jahre 2000 die Ordensmatinee, eine Jubiläumsgala, ein Kinderfest, vier Jubiläums- und eine Damensitzung, die CVE-Fassnachtsparty, sowie die Teilnahme am Mainzer Rosenmontagszug und ein Festumzug mit Abschlußparty. Fast alle Narren, die im Mainzer Karneval Rang und Namen hatten, standen mit Vorträgen oder Gesangsnummern bei den Festveranstaltungen auf der Bühne. Im Vorfeld des Jubiläums hatte sich der Große Rat gegründet, auf Anregung des Sitzungspräsidenten Klaus Lamberth. Ziel war es, dem CVE durch Spenden unter die Arme zu greifen.



Das Jahr 2001 dann brachte uns die neue Währung, den Euro. Im Jahr darauf, 2002, wurde zum letzten Mal die Sitzung im alten Saalbau Zum Schiff durchgeführt. In den beiden folgenden Jahren, 2003 und 2004, richtete man die Situngen in der Turnhalle der Janusz-Corczak-Schule aus. Heute steht dem Verein die gemeindeeigene Carl-Zuckmayer-Halle für alle närrischen Veranstaltungen zur Verfügung. Dort führt auch der Kreis Mainz-Bingen von 2006 bis 2015 seine Kreisfastnachtssitzung in Kooperation mit dem CVE durch, ein weiterer Beweis für das hohe Ansehen, das die Nackenheimer Fassenacht genießt.

Mit Stolz kann zum Schluss berichtet werden, dass der Verein in seiner nunmehr einhundertelfjährigen Geschichte von keiner einzigen Krise erschüttert wurde. Auch musste man sich nicht eines um die Jahrhundertwende üblichen Stammtischclubs bedienen um ein früheres Gründungsdatum zu benutzen. Nein, der Verein wurde im Jahre 1900 als Entenbrüder gegründet und führt seit dieser Zeit seinen Namen.



Diese Chronik wurde von Georg Becker anlässlich der Jubiläumskampagne neu überarbeitet.

Der Carneval-Verein Entenbrüder 1900 e.V. aus Nackenheim

Der vor mehr als 100 Jahren gegründete Carneval-Verein Entenbrüder gehört heute mit weit über 600 Mitgliedern zu den größten und bekanntesten Carneval-Vereinen vor den Toren der "Aurea Moguntia". Und dies liegt mit Sicherheit nicht nur am auffälligen Logo, einem Entenbruder und einer Entenschwester beim Ententanz, sondern vor allem an den weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannten und beliebten Sitzungen des Vereins sowie zahlreicher, weiterer Aktivitäten.

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